Ein Zeichen Berlins

  • Ein Zeichen Berlins

©Land Berlin

Gegenüber dem neuen Berliner Erscheinungsbild haben sich Unkenrufe aus den Sozialnetzen und Entsetzensschreie von Fachleuten zu einer der Gestaltung abträglichen Meinung vereint.

Vielleicht beruhen die nachteiligen Befindlichkeiten gegenüber der neuen, modernen, ikonographischen Berliner Zeichensprache auf unwesentlichen Annahmen. Annahmen die in meiner zeitlebens gemachten Agenturerfahrung fern der Praxis, im Umfeld eines kühlen Besprechungsraums gemacht werden und sich nur in seltenen Fällen mit dem realen Verhalten im Alltag auseinandersetzen. Da rutschen den Teilnehmern gerne Torrheiten aus dem Mund, einfach um auch was gesagt zu haben.

Wie mir scheint wird den Gestaltern der sonst hochgelobten und begünstigten Jung von Matt Agentur an der Spree hier Unrecht getan. Die Arbeit ist nonchalant wie auch Berlin es ist und wird sofort als das wahrgenommen was es ist, ein Zeichen Berlins. Ausgesprochen deutlich hebt es sich in allen Größen und Variationen vom Umfeld ab.

Ligne claire an der Hergé, der mit Tim und Struppi seine Vorliebe zur klaren Linie zum Ausdruck brachte, hätte seine Freude an dieser Arbeit. Sie ist liebenswürdig, ungezwungen, unbekümmert, lässig wie es die Berliner sind.

Möge ein wenn auch unlauterer Äpfel zu Birnen Vergleich hier helfen. Wohlbekannte Zeichensprache einer Stadt die nicht minder als von Freiheit, Toleranz u. Vielfalt geprägt, wahrgenommen wird. Kommt Ihnen an den New Yorker U-Bahn ein Gefühl der Teilung in den Sinn oder sind sie eher froh um die klare Orientierungshilfe?

Ihrer Klarheit wegen gefeierte Wegweiser der New Yorker Metropolitan Transit Authority (CC)

Auch wenn es sich hier nicht um die Insignia von New York City handelt so hilft der Vergleich womöglich damit die vordringliche Aufgabe der Berliner Kennzeichnung in einer deutliche Identifizierung zu suchen, deren Linienbegrenzung hilft Berlins Kennzeichnung aus dem unkontrollierbarem Umfeld hervorzuheben.

Als Gestalter vermeide ich für gewöhnlich Linien und Kästchen und verlaße mich der Abgrenzung wegen auf Weißraum.

In meiner Wahrnehmung hinterläßt das Berliner Logo keine Prägung die als Teilung, oder als etwas gegenteiliges zu Freiheit, Toleranz u. Vielfalt wahrgenommen wird. Ich kenne Berlin als offen, entgegenkommend, beseelt von Bürgern deren Verhalten ausgesprochen nonchalant ist und dächte nicht im Traum daran, daß das neue Logo einen Widerspruch zu meinen Empfindungen auslösen könnte. Das halte ich für geradewegs absurd. Es erinnert mich an eine Diplom-Grafikerin meines Teams, die der erlernten Meinung war, ein nach unten deutender Pfeil werde als negativ empfunden.

So ein Quatsch. Heute findet dieser Pfeil als Zeichen für download Verwendung. Etwas das als durchaus positiv empfunden wird und Ihnen sagt, Sie bekommen was sie wollen. Oder burschikos ausgedrückt, der Pfeil weist mir den Weg zu den im Untergeschoss befindlichen Toiletten, die ich nach ein Paar Bier dringend aufsuchen muss.

Was als Ratio im Besprechungszimmer einleuchten mag, zeigt sich in der Praxis oft als irrtümliche Annahme.