Digitale Transformation
Richard Price werden Repurposing also Umwidmung zu Lasten gelegt.

Kulturoptimismus nährt sich aus den vielen, oft frei verfügbaren Möglichkeiten neuer Technologien.

Bis die grosse Transformation hierzulande vonstatten gegangen ist und Deutschland sich erneut in die Lage versetzt, seinem „German Engineering” Weltruf wieder alle Ehre zu machen, werden Künstler wie Richard Prince oder der neue deutsche Medienliebling, Leon Löwentraut es an sich abperlen lassen müssen, für ihre Modernität diskreditiert zu werden, wenn auch das meiste davon Aufgrund schuldlos unterlassener Selbstaktualisierung geschehen mag.

Die unterlassene Selbstaktualisierung ist wenn auch Ursache, dennoch kann sie weniger einer nicht nachgekommenen individuellen Herausforderung angekreidet werden, sondern ist der nicht nachgekommenen Bereitstellung eines responsiven Betriebssystems auf Regierungsebene anzulasten (Peter Altmeiers EuroCloud ist honorierter Vorstoß diebezüglich).

Denn ohne entgegenkommenes Betriebssystem ist Selbstaktualisierung nur schwer und zu Lasten des Individuums nur möglich. Eine Unterlassung die auch Ursache des allgegenwärtigen Vertrauensverlustes ist und sogar den Rechtsruck zur Folge hat. Der Wissensaustausch findet nicht allgegenwärtig verfügbar statt.

Meinungsverändernde, handhabbare Philosphien werden derweilen von Entwicklern und Gestaltern neuer Anwendungen und Systeme in den Netzen verteilt und nicht länger von konventionellen Philosophen. Für jede Philosphie gibt es gewissemaßen eine App. Das aber ist Leuten mit einigem Soziologie Interesse vorbehalten, die sich berufsmäßig im digitalen Umfeld aufhalten.

Ein nicht unwesentliches Beispiel:

Die von Schulzeit an eingeimpfte Prägung, dass wir in Folge unseres Denkens etwas tun, bewahrheitet sich in seiner Umkehrung wie Facebook & Co tagtäglich den Beweis dafür erbringen, nämlich denken wir in Folge unseres Tuns.

Falsch: Was wir denken formt unser Tun.
Richtig: Was wir tun formt unser Denken.

Dabei zeigen konventionelle Systeme, also Betriebssysteme deren Aktualisierung auf ein entgegenkommendes Betriebsystem (responsive OS) noch nicht vollzogen oder abgeschlossen ist, längst ihre Schwächen, und Überkommenheit. Schattenseiten die den tadellosen, seinen Pflichten nachkommenden Bürger bei jedem Amts-, TÜV-, Arzt- oder Notaufnahmebesuch einholen.

Ein entgegenkommendes Betriebsystem macht Wartezimmer allerorts obsolet. Das kleine Lettland etwa, ich erinnere mich an eine Meldung vor Jahren, hat seine Bürokratie gegen ein entgegenkommendes Betriebssystem eingetauscht. Dort dürfte es Wartezimmer nurmehr im Museum als Ausstellungsinventar geben.

Um auf Richard Price oder Leon Loewentraut zurückzukommen, ihnen will ihre Kunstform abgesprochen werden, das als Kunst in die Museen zu kriegen, was alle tun. Und wir alle tun, was ohnehin alle tun. Gerade das Repurposing oder die Umwidmung bietet das, was mit Leichtigkeit dank offener Strukturen und deren quelloffener Eigenschaften (open source), getan werden kann.

Wenn also Kunst von Können kommt, dann ist auch offentsichtlich, dass es nicht jedem gelingt seine Kunstkacke in die Museen zu kriegen, etwas das den Beiden nachweislich gelungen ist.